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Frankfurter Rundschau, 19. November 2005

 

 

 

  "Karte findet Nachahmer"

Wirtschaftsforscher Wilfried Konrad über Öko-Bewusstsein

Frankfurter Rundschau: Für wen ist die Umweltpluskarte interessant? Wer kommt als Inhaber in Frage?
Wilfried Konrad: Im Prinzip jeder. Tatsächlich sind es die Menschen, die schon ein gewisses Öko-Bewusstsein haben und die Bio-Märkte stark frequentieren. Diese Menschen haben durch die Karte einen unmittelbaren Nutzen, sie sparen dort, wo sie ohnehin einkaufen gehen. Diese Gruppe macht auch den größten Teil der Karteninhaber aus.

Lassen sich mit einer solchen Karte neue Kreise für Nachhaltigkeit und Ökologie erschließen?
Das war unsere Hoffnung, und ich denke, das ist auch wenigstens teilweise gelungen. Wichtig dabei ist eine geeignete Zielgruppenansprache. Wir haben die Stadt Heidelberg dafür gewinnen können, in das Studenten-Willkommens-Paket eine Umweltpluskarte zu packen. Wir sind nun dabei, ein Angebot zu gestalten, das Unternehmen den vergünstigten Kauf von Kartenkontingenten für ihre Mitarbeiter ermöglicht.

Wie viele Menschen haben Sie erreicht, die nicht schon vorher zur Öko-Stammkundschaft gehörten?
Genaue Zahlen haben wir dazu nicht. Es gibt aber Hinweise, dass vor allem auch ältere Menschen das Angebot gut finden, weil viele kleine Geschäfte in ihrer Nähe unter den Anbietern sind. Auch Junge, weniger Wohlhabende sind darunter, für die das Sparmotiv ein Argument für den Erwerb der Karte ist. Dort könnte man sicher noch mehr Inhaber gewinnen, indem man beispielsweise den regionalen Bezug stärker heraus stellt.

Würde eine Umweltpluskarte auch in anderen Städten funktionieren?
Machbar wäre das sicher in allen größeren Städten. Es geht ja nicht allein um Bio-Läden, sondern auch um Kultur- oder soziale Angebote. Vorteilhaft ist aber sicher ein Milieu, das schon stark durch eine Öko-Kultur geprägt ist, wie das Frankfurter Nordend oder Bornheim. Marburg oder Gießen kämen als Universitätsstädte auch in Frage.

Warum ist die Umweltpluskarte noch immer einmalig?
Es gibt in der Szene eine Scheu, mit Themen wie Marketing, Konsum, Kundenkarten umzugehen. Die Sorge, man könnte durch solche Karten zum gläsernen Kunden werden, ist dort besonders weit verbreitet. Diese Sorge ist ja auch nicht ganz unberechtigt, was viele andere Kartensysteme angeht. Bei uns allerdings gibt es keine Datensammlung über das Kundenverhalten, der Inhaber bleibt beim Einkauf anonym. Wir haben in den letzten Jahren in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet, und ich denke, Heidelberg wird nicht auf Dauer die einzige Stadt mit einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Kundenkarte bleiben.
Interview: Peter Hanack

 

 

 

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