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"Karte findet Nachahmer"
Wirtschaftsforscher Wilfried Konrad über Öko-Bewusstsein
Frankfurter Rundschau:
Für wen ist die Umweltpluskarte interessant? Wer kommt als Inhaber in Frage?
Wilfried Konrad:
Im Prinzip jeder. Tatsächlich sind es die Menschen, die schon ein
gewisses Öko-Bewusstsein haben und die Bio-Märkte stark frequentieren.
Diese Menschen haben durch die Karte einen unmittelbaren Nutzen, sie
sparen dort, wo sie ohnehin einkaufen gehen. Diese Gruppe macht auch
den größten Teil der Karteninhaber aus.
Lassen sich mit einer solchen Karte neue Kreise für Nachhaltigkeit und Ökologie erschließen?
Das
war unsere Hoffnung, und ich denke, das ist auch wenigstens teilweise
gelungen. Wichtig dabei ist eine geeignete Zielgruppenansprache. Wir
haben die Stadt Heidelberg dafür gewinnen können, in das
Studenten-Willkommens-Paket eine Umweltpluskarte zu packen. Wir sind
nun dabei, ein Angebot zu gestalten, das Unternehmen den vergünstigten
Kauf von Kartenkontingenten für ihre Mitarbeiter ermöglicht.
Wie viele Menschen haben Sie erreicht, die nicht schon vorher zur Öko-Stammkundschaft gehörten?
Genaue
Zahlen haben wir dazu nicht. Es gibt aber Hinweise, dass vor allem auch
ältere Menschen das Angebot gut finden, weil viele kleine Geschäfte in
ihrer Nähe unter den Anbietern sind. Auch Junge, weniger Wohlhabende
sind darunter, für die das Sparmotiv ein Argument für den Erwerb der
Karte ist. Dort könnte man sicher noch mehr Inhaber gewinnen, indem man
beispielsweise den regionalen Bezug stärker heraus stellt.
Würde eine Umweltpluskarte auch in anderen Städten funktionieren?
Machbar
wäre das sicher in allen größeren Städten. Es geht ja nicht allein um
Bio-Läden, sondern auch um Kultur- oder soziale Angebote. Vorteilhaft
ist aber sicher ein Milieu, das schon stark durch eine Öko-Kultur
geprägt ist, wie das Frankfurter Nordend oder Bornheim. Marburg oder
Gießen kämen als Universitätsstädte auch in Frage.
Warum ist die Umweltpluskarte noch immer einmalig?
Es
gibt in der Szene eine Scheu, mit Themen wie Marketing, Konsum,
Kundenkarten umzugehen. Die Sorge, man könnte durch solche Karten zum
gläsernen Kunden werden, ist dort besonders weit verbreitet. Diese
Sorge ist ja auch nicht ganz unberechtigt, was viele andere
Kartensysteme angeht. Bei uns allerdings gibt es keine Datensammlung
über das Kundenverhalten, der Inhaber bleibt beim Einkauf anonym. Wir
haben in den letzten Jahren in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet,
und ich denke, Heidelberg wird nicht auf Dauer die einzige Stadt mit
einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Kundenkarte bleiben.
Interview: Peter Hanack |
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