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Sparen mit der Öko-Karte
2000 Heidelberger helfen mit ihrem Einkauf der Umwelt - und stärken örtliche Läden
Heidelberg - Ein- bis zweimal die Woche gehen Susanne Nötscher und ihr Mann
Stephan Pucher im nahen Bioladen einkaufen: Brot, Käse, Tee, vielleicht
etwas zum Anziehen oder eine Flasche Wein. Auf einen Großteil des
Sortiments bekommen Nötscher und Pucher drei Prozent Rabatt. Bei der
Baumschule haben sie ein Apfelbäumchen mit fünf Prozent Nachlass
gekauft, und als sie jüngst zu einer Party einluden, lieferte ein
Caterer das Buffet zum Vorzugspreis. Sogar die Ytong-Säge, die beim
Renovieren - und danach nie wieder - gebraucht wurde, konnten sie mit
Rabatt ausleihen. Susanne Nötscher und Stephan Pucher besitzen die umwelt.plus.karte
und können damit bei knapp 40 Heidelberger Geschäften verbilligt
einkaufen oder Dienste in Anspruch nehmen. "Wenn man viele verschiedene
Sachen macht, kann sich das finanziell schon lohnen", sagt Nötscher.
"Die Philosophie stimmt"
Die
43-jährige Übersetzerin und ihr Mann, der als Biologe arbeitet, gehören
zu den mehr als 2000 Heidelbergern, die sich in den vergangenen zwei
Jahren die Kundenkarte mit Nachhaltigkeitsfaktor zugelegt haben. "Weil
die Philosophie stimmt", wie Nötscher sagt. Die Geschäfte, Handwerker
und Dienstleister, die den Karteninhabern Sonderkonditionen bieten,
achten auf Umweltfreundlichkeit ihrer Erzeugnisse oder arbeiten mit
hohem sozialen Anspruch. Der Caterer etwa, der das Buffet lieferte,
beschäftigt junge Arbeitslose und Schwerbehinderte. Naturkostläden
gehören zu den Anbietern ebenso wie ein Reparaturservice für
Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, ein Car-Sharing-Verein
oder eine Weiterbildungs-Akademie für Ältere. "Die Umweltpluskarte ist
eines der wichtigsten Projekte zur Nachhaltigkeit, das wir haben", sagt
Frank Zimmermann, Leiter des Heidelberger Agendabüros. "Sie hilft uns,
ein breites und verlässliches Netzwerk zu knüpfen, und zugleich können
wir mit einer solchen Karte über den Konsum Einzelne sehr direkt
erreichen." Betreiber der Kundenkarte ist der als gemeinnützig
anerkannte Verein Ökostadt Rhein-Neckar. Geschäftsführerin Annegret
Brandt geht davon aus, dass die Zahl der Leistungsanbieter von derzeit
38 in den nächsten Jahren weiter anwachsen wird. "So 50 bis 100
Unternehmen kommen dafür in Frage", sagt sie.
Als die umwelt.plus.karte
im Mai 2003 startete, waren es noch 23. Binnen Jahresfrist stieg auch
die Zahl der Karteninhaber von 1000 auf nun mehr als 2000, Tendenz
steigend. "Wir haben nicht unbedingt neue Kunden gewonnen, seit wir bei
der Umweltpluskarte mitmachen", berichtet Andreas Siber, Inhaber des
Maschinenverleihs Mietfix. Einen Gewinn für sein Unternehmen sieht er
darin, "zu einem ökologisch und sozial ausgerichteten Netzwerk dazu zu
gehören". Mittelfristig könnten sich daraus weitere Kooperationen mit
Gleichgesinnten ergeben. Beispielsweise sei denkbar, so Siber,
gemeinsam Gewerbeflächen zu nutzen und mehrere Leistungen unter einem
Dach anzubieten.
Händler binden Kundschaft
Für
Lisa Wieder vom Bio-Supermarkt Füllhorn ist die auf Nachhaltigkeit
zielende Kundenkarte ein gutes Instrument, Kunden dauerhaft an sich zu
binden. Wer bei Großeinkäufen nach Rabatten fragt, wird auf die umwelt.plus.karte verwiesen, die es gleich im Geschäft zu kaufen gibt.
"Unsere
Bürger können", so Heidelbergs Oberbürgermeisterin Beate Weber (SPD),
"mit wenig Aufwand Geld sparen, etwas für die Umwelt tun, und zugleich
die ortsansässigen Geschäfte stärken." Die Karte vereine
wirtschaftliche, ökologische und soziale Vorteile. "Wir hoffen darauf",
sagt Weber, "dass der Erfolg auf Dauer bestehen bleibt." Darauf setzt
auch Susanne Nötscher. Sie wünscht sich, dass der Kreis der Anbieter
sich schnell ausdehnt, damit auch noch andere Kunden Interesse an der
Karte finden. "Eine Drogerie oder ein Bekleidungshaus wären da sicher
noch gut", sagt sie. Peter Hanack |
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