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Frankfurter Rundschau, 19. November 2005

 

 

 

  Sparen mit der Öko-Karte

2000 Heidelberger helfen mit ihrem Einkauf der Umwelt - und stärken örtliche Läden

Heidelberg - Ein- bis zweimal die Woche gehen Susanne Nötscher und ihr Mann Stephan Pucher im nahen Bioladen einkaufen: Brot, Käse, Tee, vielleicht etwas zum Anziehen oder eine Flasche Wein. Auf einen Großteil des Sortiments bekommen Nötscher und Pucher drei Prozent Rabatt. Bei der Baumschule haben sie ein Apfelbäumchen mit fünf Prozent Nachlass gekauft, und als sie jüngst zu einer Party einluden, lieferte ein Caterer das Buffet zum Vorzugspreis. Sogar die Ytong-Säge, die beim Renovieren - und danach nie wieder - gebraucht wurde, konnten sie mit Rabatt ausleihen. Susanne Nötscher und Stephan Pucher besitzen die umwelt.plus.karte und können damit bei knapp 40 Heidelberger Geschäften verbilligt einkaufen oder Dienste in Anspruch nehmen. "Wenn man viele verschiedene Sachen macht, kann sich das finanziell schon lohnen", sagt Nötscher.

"Die Philosophie stimmt"

Die 43-jährige Übersetzerin und ihr Mann, der als Biologe arbeitet, gehören zu den mehr als 2000 Heidelbergern, die sich in den vergangenen zwei Jahren die Kundenkarte mit Nachhaltigkeitsfaktor zugelegt haben. "Weil die Philosophie stimmt", wie Nötscher sagt. Die Geschäfte, Handwerker und Dienstleister, die den Karteninhabern Sonderkonditionen bieten, achten auf Umweltfreundlichkeit ihrer Erzeugnisse oder arbeiten mit hohem sozialen Anspruch. Der Caterer etwa, der das Buffet lieferte, beschäftigt junge Arbeitslose und Schwerbehinderte. Naturkostläden gehören zu den Anbietern ebenso wie ein Reparaturservice für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, ein Car-Sharing-Verein oder eine Weiterbildungs-Akademie für Ältere. "Die Umweltpluskarte ist eines der wichtigsten Projekte zur Nachhaltigkeit, das wir haben", sagt Frank Zimmermann, Leiter des Heidelberger Agendabüros. "Sie hilft uns, ein breites und verlässliches Netzwerk zu knüpfen, und zugleich können wir mit einer solchen Karte über den Konsum Einzelne sehr direkt erreichen." Betreiber der Kundenkarte ist der als gemeinnützig anerkannte Verein Ökostadt Rhein-Neckar. Geschäftsführerin Annegret Brandt geht davon aus, dass die Zahl der Leistungsanbieter von derzeit 38 in den nächsten Jahren weiter anwachsen wird. "So 50 bis 100 Unternehmen kommen dafür in Frage", sagt sie.

Als die umwelt.plus.karte im Mai 2003 startete, waren es noch 23. Binnen Jahresfrist stieg auch die Zahl der Karteninhaber von 1000 auf nun mehr als 2000, Tendenz steigend. "Wir haben nicht unbedingt neue Kunden gewonnen, seit wir bei der Umweltpluskarte mitmachen", berichtet Andreas Siber, Inhaber des Maschinenverleihs Mietfix. Einen Gewinn für sein Unternehmen sieht er darin, "zu einem ökologisch und sozial ausgerichteten Netzwerk dazu zu gehören". Mittelfristig könnten sich daraus weitere Kooperationen mit Gleichgesinnten ergeben. Beispielsweise sei denkbar, so Siber, gemeinsam Gewerbeflächen zu nutzen und mehrere Leistungen unter einem Dach anzubieten.

Händler binden Kundschaft

Für Lisa Wieder vom Bio-Supermarkt Füllhorn ist die auf Nachhaltigkeit zielende Kundenkarte ein gutes Instrument, Kunden dauerhaft an sich zu binden. Wer bei Großeinkäufen nach Rabatten fragt, wird auf die umwelt.plus.karte verwiesen, die es gleich im Geschäft zu kaufen gibt.

"Unsere Bürger können", so Heidelbergs Oberbürgermeisterin Beate Weber (SPD), "mit wenig Aufwand Geld sparen, etwas für die Umwelt tun, und zugleich die ortsansässigen Geschäfte stärken." Die Karte vereine wirtschaftliche, ökologische und soziale Vorteile. "Wir hoffen darauf", sagt Weber, "dass der Erfolg auf Dauer bestehen bleibt." Darauf setzt auch Susanne Nötscher. Sie wünscht sich, dass der Kreis der Anbieter sich schnell ausdehnt, damit auch noch andere Kunden Interesse an der Karte finden. "Eine Drogerie oder ein Bekleidungshaus wären da sicher noch gut", sagt sie. Peter Hanack

 

 

 

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